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Ich behaupte, dass bei toxischen Beziehungen keine echte Liebe im Spiel ist, auch wenn das Opfer seine Sehnsucht nach dem anderen als solche empfindet. Der toxische Part hat ein Traumaband erzeugt mit unterschiedlichen Methoden. Das geht bis hin zu biochemischen Veränderungen im Gehirn. Es läuft meist so subtil ab, dass es nicht bemerkt wird. Auch nicht vom Umfeld, das sogar von manchen Tätern mit eingebunden wird. Es ist keine Unvernunft, sondern eher Machtlosigkeit und das Wissen, dass das Gegenüber sich falsch verhält währt oft nur kurz bis das Traumaband stärker wirkt. In etwa vergleichbar mit einer Droge. Viele Abhängige wissen, dass es nicht gut ist und dass sie ohne besser dran sind, aber ohne zu sein ist für sie nicht vorstellbar.
Da sind wir dann bei dem selbst, das zurück reist und sich dieses Wissen vermittelt, vollumfänglich, um es zu verstehen. Wie handeln toxische Menschen und wie nahe sollte man sie an sich ran lassen. Das kann man auch in der Gegenwart anwenden und anderen helfen, es zu begreifen. Falls sie es annehmen können, denn man verbiegt damit quasi die Nadel Stück für Stück.
Bei einem Job dürfte das einfacher sein das damalige Ich zu überzeugen, denn da kann man aufdecken, dass z.B. der Chef ein Betrüger ist, der nicht zahlen wird, wenn man finanziell in Vorleistung geht.
Ich glaube, dass am Anfang oft echte Gefühle im Spiel waren. Vielleicht nicht immer auf beiden Seiten gleich tief oder gesund, aber für den, der darin steckt, fühlt es sich zunächst oft sehr real an. Gerade deshalb sind toxische Beziehungen wahrscheinlich auch so schwer zu erkennen. Sie beginnen selten offensichtlich zerstörerisch. Häufig entsteht zuerst Nähe, Vertrauen oder das Gefühl, endlich verstanden zu werden. Erst später verschieben sich Grenzen langsam und beinahe unmerklich. Zumindest habe ich es so bei einer Bekannten erlebt, wo es selbst für uns außenstehende lange gedauert hat, bis wir es gesehen haben.
Ich finde den Vergleich mit einer Sucht gar nicht unpassend. Nicht weil Liebe selbst eine Droge wäre, sondern weil emotionale Abhängigkeit irgendwann stärker werden kann als die eigene Klarheit. Und vielleicht zeigt das auch, warum Wissen allein oft nicht genügt. Viele verstehen rational längst, dass ihnen etwas schadet und schaffen den emotionalen Schritt trotzdem nicht sofort. (Kenne ich z.B. aus dem Job. Manchmal muss man jemanden, obwohl es für beide Seiten offensichtlich wurde, durch Kündigung zu seinem Glück helfen.)
Genau deshalb finde ich Deinen Gedanken interessant, dieses Wissen nicht nur oberflächlich zu vermitteln, sondern wirklich verständlich zu machen. Vielleicht könnte man damit tatsächlich manche Wege früher erkennen — sowohl bei Beziehungen als auch bei anderen Entscheidungen im Leben.
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